"Einsteins deterministisches Weltbild und die Leugnung der Willensfreiheit"

Universität im Rathaus - 17. Januar 2006, 20.00 Uhr, Ratssaal

Dr. phil. Bettina Walde, Philosophisches Seminar

Einsteins physikalisches Weltbild war geprägt von der These des physikalischen Determinismus. Demnach wird jeder Zustand des Universums von vorgängigen Zuständen des Universums und den Naturgesetzen bestimmt. Diese These scheint in einem nahezu unüberbrückbaren Gegensatz zur menschlichen Willensfreiheit zu stehen - und auch Einstein selbst war der Überzeugung, dass es so etwas wie die Freiheit des Willens nicht gebe.

Die Frage nach der Willensfreiheit hat innerhalb der Philosophie eine lange Tradition - seit der Antike beschäftigen sich Philosophen mit ihr. Im Laufe dieser Debatte wurden unterschiedliche Vorstellungen darüber entwickelt, worin Willensfreiheit nun genau bestehe. Die vielen unterschiedlichen Ansätze lassen sich, vereinfacht gesprochen, in zwei Gruppen teilen: die inkompatibilistischen Ansätze (Willensfreiheit und Determinismus sind nicht miteinander kompatibel) und die kompatibilistischen Ansätze (Willensfreiheit und Determinismus sind miteinander kompatibel).

In dem Vortrag stellt Dr. Bettina Walde diese zwei unterschiedlichen Ansätze zur Willensfreiheit vor. Dabei geht es ihr auch um die besonderen Herausforderungen, die ein Konzept der Willensfreiheit mit sich bringt, das den Indeterminismus zur notwendigen Bedingung der Freiheit macht. Es wird sich zeigen, dass sich die Ablehnung der Willensfreiheit nur gegen eine bestimmte Auffassung der Freiheit richtet.

"Universität im Rathaus" ist ein gemeinsames Projekt der Johannes Gutenberg-Universität und der Stadt Mainz. Seit über 20 Jahren dient der Universität dieses Forum als Brückenschlag vom Campus in die Stadt. Der Bevölkerung einen Einblick in die vielfältigen Facetten der unterschiedlichen Disziplinen von 2.800 Wissenschaftlern in mehr als 150 Instituten und Kliniken zu geben, ist das Ziel dieser Veranstaltungsreihe. Im Wintersemester 2005/06 erklären Mainzer Wissenschaftler immer an einem Dienstag die Gedankenwelt Albert Einsteins - in Zusammenhang mit ihren aktuellen Forschungsprojekten. Die Vorträge deuten die Spuren, die Einstein in der Wissenschaft hinterlassen hat, aber auch die Fragen und Rätsel, die er seiner Nachwelt mit auf den Weg gab.

Der nächste Vortrag in dieser Reihe

  • 7. Februar 2006: Chemie mit dem Computer: moderne Anwendung der Quantenphysik in der Chemie, Prof. Dr. Jürgen Gauß, Leibniz-Preisträger 2005

Veranstaltungsort und -zeit: Rathaus, Ratssaal, jeweils 20.00 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.