Von der Schule zur Uni - was wird anders?

 

Von Martin Bauer, Physikstudent

 

Die erste Frage, die man sich als angehender Physik-Student stellt, ist: „Was ändert sich?“

Um ein Physikstudium anzufangen, braucht man sich um keinen Numerus clausus zu kümmern. Das hat zur Folge, dass viele, die sich ansatzweise für Physik interessieren, einen Studiengang erwarten, der leichter fällt als manches andere Fach.

Auf der anderen Seite hat man vielleicht schon mit Physikstudenten geredet, die einem von immensem Aufwand und wenig Freizeit erzählen. Wenig Freizeit? Das ist wohl das abschreckendste Argument gegen ein Physikstudium. Und wenn man an die Schule denkt, hielt sich das mit dem Aufwand eigentlich in Grenzen (ab und zu mal Aufgaben gemacht,klar, aber auch nicht mehr als für die anderen Fächer …).

Auf der Uni ist die Erwartungshaltung anders. Die Professoren haben nicht die Aufgabe, einem den Stoff erst noch schmackhaft zu machen oder grundlegende Überzeugungsarbeit zu leisten. Überzeugt sollte man schon sein, wenn man das Studium beginnt. Im Vergleich zur Schule wird der Stoff schneller behandelt und die Lernbereitschaft gerade in der Anfangszeit hart auf die Probe gestellt. Besonders was die Mathematik betrifft, muss man viel alleine arbeiten, was das Vertiefen und Verstehen betrifft. Und genau darauf hätte man in der Schule eigentlich vorbereitet werden müssen:

  • Wie bilde/finde ich Lerngruppen?
  • Welche Bücher verstehe ich am besten?
  • Welche Kurse brauche ichund welche Professoren sind am verständlichsten? (Nicht jeder Professor hat seinen Doktor auch in Rhetorik gemacht und es dauert eine
    Weile, bis man denjenigen gefunden hat, dessen Stil am verständlichstenist.)

Kurz: Wie lerne ich eigentlich am effektivsten?

Man muss also wieder „zur Schule“ gehen. Nicht um Physik zu lernen - wer sich für das Fach interessiert, wird früher oder später seinen Weg machen - aber wie ich diesen Weg gestalte, wie ich meine Zeit am besten einteile, sagt mir niemand.

Wer das auf der Schule gelernt hat, der wird sich an der Universität zurechtfinden und alles, was hier steht, als völlig übertrieben zurückweisen. Die anderen müssen eine
hohe Frustrationsgrenze haben, Niederlagen einstecken können und nach den ersten Abenden, an denen man das Gefühl hat, gar keinen Durchblick mehr zu haben, am
nächsten Morgen wieder aufstehen und sich um acht in die Mathe-Vorlesung setzen.

März 2005