Eine Meteorologin in der Versicherungsbranche?

Von Dörte Aller, ehemalige Meteorologiestudentin

Nein, ich gehe nicht von Haus zu Haus, um Sturmversicherungen zu verkaufen! Aber bevor ich mehr über meine Arbeit berichte, will ich erzählen, wie ich dazu gekommen bin:

Eher zufällig habe ich kurz vor dem Abitur am Tag der offenen Tür das Institut für Physik der Atmosphäre in Mainz besucht. Segeln, Surfen und Drachensteigen haben mich  schließlich schon immer fasziniert. Die Aussicht, mich an einem kleinen Institut und somit bei intensiver Betreuung mit den Gesetzmäßigkeiten der Atmosphäre zu beschäftigen, machte mir die Entscheidung für das Studium leicht. In den folgenden Jahren hatte ich somit reichlich Gelegenheit, die Grundlagen der Physik und insbesondere natürlich das  komplexe System der Atmosphäre in Theorie und Praxis gründlich kennen zu lernen. Von der Einführungsvorlesung ist mir der Satz geblieben: „Ein Gebäude anzuschauen ist  das eine, das Handwerkszeug dazu zu lernen ist das andere. Und das Handwerkszeug lernt ihr hier.“

Mit dem Studium erlernt man keinen Beruf, sondern ein Fach bzw. das lösungsorientierte Herangehen an komplexe Systeme. Man muss sich also anschließend ein passendes  Berufsfeld erschließen. Ich war durch einen Zufall darauf gestoßen, dass die Münchener Rückversicherung auch Meteorologen beschäftigt, bewarb mich daraufhin dort um  ein Praktikum und hatte so Gelegenheit, die praktische Anwendung der Meteorologie in der Versicherungswirtschaft kennen zu lernen.

In der Geowissenschaftlichen Abteilung der Münchener Rückversicherung wird das Schadensrisiko großer Naturkatastrophen wie z. B. Hurrikane, Stürme, Hagel und  Überschwemmungen ermittelt. Für mich stellte sich bei diesem Praktikum heraus, dass es in der Versicherungsbranche für Meteorologen überaus interessante Aufgaben gibt:  Abgesehen von der Faszination, die von den Naturgewalten ausgeht, hat sich auch die Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten wie Bauingenieuren, Juristen und Graphikern  als äußerst spannend erwiesen.

Das Praktikum eröffnete mir die Möglichkeit, auch meine Diplomarbeit bei der Münchener Rückversicherung zu schreiben und anschließend für einige Monate dort zu  arbeiten. Und natürlich war mir da schon klar, dass ich mir eine berufliche Zukunft in diesem faszinierenden Tätigkeitsfeld aufbauen wollte. Die Möglichkeit dazu fand ich beim  Partnerunternehmen Re in Zürich, einer jungen und kleinen Rückversicherung, die sich insbesondere mit den Risiken großer Naturkatastrophen beschäftigt. Auch in  meiner jetzigen Position in der Wirtschaft ist es mir wichtig, weiterhin den Kontakt zur Forschung zu halten und sogar auszubauen. Dazu studiere ich nicht nur die Fachliteratur, sondern nehme auch an internationalen Konferenzen und Workshops teil. Dabei ergeben sich dann Kontakte zu Kollegen in aller Welt, unter anderem beim National Hurricane Center in Miami oder beim Japanischen Wetterdienst in Tokio.

Meteorologie, besonders natürlich die von Naturgefahren, fasziniert mich noch immer. Und auch wenn diese Thematik während meines Studiums nur am Rande vorkam, so  war es doch auf der Basis des dort erworbenen Wissens relativ einfach, sich dieses Spezialgebiet zu erschließen. Fazit: Müsste ich wieder von vorn anfangen, würde ich wohl wieder Meteorologie in Mainz studieren.

März 2005