Meteorologin im Beruf

Von Leni Helmes, ehemalige Meteorologie-Doktorandin

Schon während meinerOberstufenzeit war mir klar, dass Physik und Mathematik zu meinen Lieblingsfächern gehören. Aber eines dieser Fächer studieren – das erschien mir dann doch zu trocken. Als mir dann jedoch eine Broschüre über das Meteorologiestudium in die Hand fiel, war die Lösung gefunden. Und obwohl damals angesichts steigender Studentenzahlen und unsicherer Berufsaussichten davon eher abgeraten wurde, stand mein Entschluss fest: Ich studiere Meteorologie!

Das Studium war mit vielen Höhen – aber auch einigen Tiefen – verbunden. Vor allem bis zum Vordiplom habe ich öfter an meiner Wahl gezweifelt – und mir die für viele Studenten typische Frage gestellt: Soll ich nicht lieber aufhören und etwas ‚Richtiges’ lernen? Immer wieder motiviert haben mich aber die Lehrveranstaltungen und die persönlichen Gespräche im Institut für Meteorologie (wie das heutige Institut für Physik der Atmosphäre damals noch hieß) – dort hatte ich die Gelegenheit, direkt mit den Professoren und Assistenten zu diskutieren und mich in meiner Fachwahl bestätigen zu lassen. So wurden bei mir auch schon recht früh die Weichen für die Diplomarbeit  gestellt: Ich schloss mich einer Arbeitsgruppe an, in der es hauptsächlich um die atmosphärischen Aerosole und deren Klimawirksamkeit ging. Hier war die Mischung aus  Theorie und Praxis für mich passend und Exkursionen und Expeditionen (z. B. mit dem Forschungsschiff „Meteor“) boten Gelegenheit, sowohl den fachlichen als auch den persönlichen Horizont stark zu erweitern.

Sowohl während meiner Diplomarbeit als auch dann noch stärker während der Dissertation habe ich mich intensiv in Programmierung und Datenverarbeitung eingearbeitet.  Die Themen beider Arbeiten waren im Bereich der Klimatologie mit Schwerpunkt „atmosphärische Strahlungsprozesse“ angesiedelt – und damit sehr datenintensiv. Die Mischung aus interessanter Forschungsthematik und familiärer Arbeitsatmosphäre, experimenteller und theoretischer Vorgehensweise, fachlichen Vorgaben und selbstständigen Zielsetzungen und Arbeiten erwies sich als ideal.

Nach der Promotion ging ich zunächst als ‚Postdoc’ an das Alfred- Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung nach Bremerhaven. Dort war ich Mitarbeiterin in der Abteilung Physik des Ozeans und der Atmosphäre. Klimatisch wirksame Wechselwirkungsprozesse zwischen Ozean, Eis und Atmosphäre und die speziellen  Klimaphänomene in den Polargebieten waren dort Mittelpunkt meiner wissenschaftlichen Arbeiten. Während dieser Zeit nahm ich auch an einer dreimonatigen internationalen  Expedition in die Antarktis teil.

Allmählich wurde mir allerdings bewusst, dass ich mehr Interesse an der Datenverarbeitung hatte als an der Forschung selbst. Meine nächste Position war daher Softwareentwicklerin am Fachinformationszentrum Karlsruhe. Hier waren meine Kenntnisse in theoretischer Meteorologie und in der Programmierung gefragt – beim Aufbau  einer Datenbank mit thermodynamischen Inhalten. Die ersten Monate waren nicht einfach: An das neue, wirtschaftlich geprägte Umfeld musste ich mich erst gewöhnen. Aber  auch hier bestätigte sich meine Überzeugung: Wer ein naturwissenschaftliches Studium gemeistert hat, kann sich überall behaupten.

Mittlerweile bin ich schon über 10 Jahre in Karlsruhe und leite den gesamten Bereich der Softwareentwicklung: Wir entwickeln spezielle Informationssysteme zum Auffinden  und zur Analyse wissenschaftlich-technischer Inhalte – mittlerweile hauptsächlich als Internet-Anwendungen. Dabei kooperieren wir mit nationalen und internationalen Partnern und Kunden, was die ganze Sache oftmals sehr anstrengend, aber auch äußerst interessant macht. Von meinen ursprünglichen Studieninhalten nutze ich heute so gut wie nichts mehr. Trotzdem wurde die Basis für meine jetzige Tätigkeit beim Studium in Mainz gelegt: Ich habe dort gelernt, mich selbstständig und ausdauernd mit komplexen Fragestellungen auseinanderzusetzen, um – manchmal auch auf Umwegen – mein Ziel zu erreichen. Dass dies ohne fördernde, aber auch fordernde Vorgesetzte nur sehr  schwer geht, ist mir heute auch klar. Durch die familiäre und freundschaftliche Atmosphäre, die ich während der gesamten Zeit in Mainz erleben durfte, wurde ich aber auch in schwierigen Situationen immer wieder aufgefangen und neu motiviert. Mit einem sehr soliden fachlichen Wissen und vielen persönlichen Erfahrungen habe ich das  Meteorologische Institut in Mainz selbstbewusst und bestens ausgebildet ‚ins wahre Leben’ verlassen können.

März 2005