Raumfahrt – Eine Kulturaufgabe?

Öffentlicher Abendvortrag im Rahmen der DPG-Frühjahrstagung für alle Interessierten

Dienstag, 20.03.2012, 19.30 - 21.00 Uhr, Hörsaal RW 1

Dr. Gerhard Thiele, European Space Policy Institute, Wien

Ehemaliger Wissenschaftsastronaut, Mitglied der Space-Shuttle-Mission STS-99 im Jahr 2000

Im letzten Jahr jährte sich ein wahrlich historisches Ereignis zum 50. Male: 1961 flog Juri Gagarin, ein Bürger der Sowjetunion, wie es offiziell hieß, als erster Mensch in den Weltraum und landete nach einer Erdumrundung glücklich in der Steppe von Kasachstan. Heute, ein halbes Jahrhundert später, leben sechs Menschen an Bord der Internationalen Raumstation und arbeiten und forschen in der Schwerelosigkeit.

Illustration Raumfahrt - eine KulturaufgabeDer Vortrag des deutschen Astronauten Gerhard Thiele zeigt anhand eines konkreten Beispieles, der Shuttle Radar Topographie Mission (SRTM), auf, welche Fortschritte in der Raumfahrt in den vergangenen fünf Jahrzehnten erreicht worden sind.

Doch wer die Bedeutung der Raumfahrt an wissenschaftlichen Erfolgen und technischem Nutzen alleine bemessen will, verliert einen wesentlichen Aspekt aus dem Gesichtsfeld: Was treibt den Menschen eigentlich an in den Weltraum vorzustoßen und so eine Grenze zu überschreiten, die in vielen Köpfen auch heute noch als unüberwindlich gilt?

Dies führt unmittelbar zu der Frage, wer der Mensch eigentlich ist. Die Suche nach Erkenntnis und das Verlangen, im Ausloten, Erkennen und Überschreiten von Grenzen Horizonte zu erweitern, ist ein Fundament unserer Kultur, das sich in den unterschiedlichsten Lebenswelten der Menschen widerspiegelt, in Religion und Philosophie, Dichtung und Musik, Kunst und Wissenschaften.

Der Vortrag zeigt, dass wissenschaftlich-technischer Nutzen und kulturelle Verpflichtung keine Gegensätze sind, sondern sich ergänzen und so ein ausgewogenes Urteil zur Raumfahrt (und nicht nur zur Raumfahrt!) erst durch die gemeinsame Betrachtung utilitärer wie transutilitärer Gesichtspunkte möglich ist.