Die ersten drei Jahre des LHC: Experten diskutieren die Ergebnisse der „Weltmaschine“

Institute for Theoretical Physics als Teil des Exzellenzclusters PRISMA gegründet – International hochkarätig besetzter Workshop in Mainz

20. März 2013

Mit der sensationellen Entdeckung des Higgs-Teilchens hat der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) im Sommer 2012 weltweit für Aufsehen gesorgt und gleichzeitig seine enorme Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Im Februar 2013 wurde der LHC außer Betrieb genommen, um ihn umzurüsten und für den Betrieb bei noch höheren Energien vorzubereiten. Auf Initiative des neu gegründeten Mainz Institute for Theoretical Physics (MITP) treffen sich vom 18. bis 22. März 2013 ausgewiesene Experten in Mainz, um die in den ersten drei Jahren gewonnenen Daten des LHC genauer unter die Lupe zu nehmen. „Es ist angemessen, dass sich die Eröffnungstagung des MITP mit den Konsequenzen aus einer der wichtigsten wissenschaftlichen Entdeckungen der letzten 30 Jahren befasst“, betonte Matthias Neubert, Professor für Theoretische Elementarteilchenphysik an der Universität Mainz und Gründungsdirektor des MITP, in der Begrüßungsansprache. „Mit der Higgs-Entdeckung befindet sich die Teilchenphysik in einer spannenden Phase der Weiterentwicklung. Die Erkenntnisse der kommenden Jahre könnten unser Weltbild auf ebenso revolutionäre Weise prägen, wie dies die Relativitätstheorie und die Quantenmechanik im frühen letzten Jahrhundert getan haben.“ Die Wissenschaftler beurteilen derzeit den aktuellen Stand der Analysen am LHC und schätzen ab, wie die Aussichten für die Entdeckung einer neuen Physik stehen. Neue Modelle könnten künftig das bisher gültige Standardmodell der Physik ablösen, das lediglich einen Teil der Materie im Universum zu erklären vermag. 

Das MITP ist im Rahmen des Exzellenzclusters PRISMA („Precision Physics, Fundamental Interactions and Structure of Matter“) eingerichtet worden. Rund 250 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten in dem neuen Forschungsverbund, der über fünf Jahre mit rund 35 Millionen Euro gefördert wird. Der Exzellenzcluster befasst sich mit den grundlegenden Fragen nach der Natur der fundamentalen Bausteine der Materie und ihrer Bedeutung für die Physik des Universums. Das MITP ist eine der Hauptinitiativen des Clusters und soll langfristig die Rolle eines internationalen Theoriezentrums übernehmen. Hierzu organisiert das Institut unter Einbindung externer Forscher/-innen wissenschaftliche Programme, Workshops und Konferenzen. Damit bietet es Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Forschungsgebieten der theoretischen Physik die Möglichkeit zum interdisziplinären Austausch. Den Auftakt bildet der oben beschriebene Workshop „The first three years of the LHC“ im Schloss Waldthausen in Mainz. Damit verfolgt das MITP das Ziel, Diskussionen und Kooperationen zwischen den Teilnehmern anzuregen, neue Ideen zu entwickeln und auch die Berechnungsmethoden zur Interpretation der LHC-Daten zu verfeinern. Teilnehmer sind Theoretiker aus unterschiedlichen Bereichen der Hochenergiephysik, darunter zahlreiche renommierte Forscherinnen und Forscher aus den USA, aber auch Mitglieder der LHC-Kooperationen, die sich mit den jüngsten experimentellen Daten befassen.