"Albert Einstein und die Relativitätstheorie"

Universität im Rathaus - 15. November 2005, 20.00 Uhr, Ratssaal

Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Konrad Kleinknecht, Leibniz-Preisträger 1990
Institut für Physik (Experimentelle Teilchen- und Atomphysik)

Im Wunderjahr 1905 veröffentlichte Einstein vier bahnbrechende Arbeiten, darunter die spezielle Relativitätstheorie. Danach hängen Raum und Zeit zusammen, die Uhren laufen in schnell bewegten Fahrzeugen langsamer als in ruhenden. Es kommt also darauf an, ob die Uhr sich "relativ" zum Beobachter bewegt. Auch die Wahrnehmung der Gegenstände verzerrt sich für einen bewegten Beobachter. Diese Erkenntnisse haben weit reichende theoretisch-philosophische und praktische Konsequenzen. Diese erläutert Kleinknecht im Vortrag, ebenso die Konsequenzen aus der 1915 entstandenen allgemeinen Relativitätstheorie, in der Einstein die Krümmung von Lichtstrahlen im Schwerefeld der Sonne voraussagte. Die experimentelle Bestätigung dieser Vorhersage bei der Sonnenfinsternis 1919 begründete Einsteins Weltruhm und eine neue Vorstellung von der Entstehung des Universums in Raum und Zeit. Unser heutiges Bild gründet auf experimentellen Beobachtungen, die durch den Urknall und das expandierende Universum nach den Einsteinschen Gleichungen beschrieben werden können.

Professor Konrad Kleinknecht studierte Physik an den Universitäten München und Heidelberg. Nach der Promotion war er wissenschaftlicher Angestellter (fellow) am CERN in Genf, anschließend wissenschaftlicher Assistent an der Universität Heidelberg. 1971 habilitierte er dort in Physik. Von 1972 bis 1985 war Kleinknecht Professor an der Universität Dortmund und baute dort die Fachrichtung Teilchenphysik auf (1976 Forschungsaufenthalt am California Institute of Technology, Pasadena, USA; 1975 bis 1985 Neutrino-Experiment am CERN). Seit 1985 ist er Professor an der Johannes Gutenberg-Universität. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt Kleinknecht 1990 den G. W. Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zu seinen Arbeitsgebieten zählen die Physik der Elementarteilchen, insbesondere Untersuchungen der schwachen Kraft zwischen Elementarteilchen und der Verletzung der Symmetrie zwischen Materie und Antimaterie, die Physik der Neutrinos und die Physik der Strahlungsdetektoren.

"Universität im Rathaus" ist ein gemeinsames Projekt der Johannes Gutenberg-Universität und der Stadt Mainz. Seit über 20 Jahren dient der Universität dieses Forum als Brückenschlag vom Campus in die Stadt. Der Bevölkerung einen Einblick in die vielfältigen Facetten der unterschiedlichen Disziplinen von 2.800 Wissenschaftlern in mehr als 150 Instituten und Kliniken zu geben, ist das Ziel dieser Veranstaltungsreihe. Im Wintersemester 2005/06 erklären Mainzer Wissenschaftler immer an einem Dienstag die Gedankenwelt Albert Einsteins - in Zusammenhang mit ihren aktuellen Forschungsprojekten. Die Vorträge deuten die Spuren, die Einstein in der Wissenschaft hinterlassen hat, aber auch die Fragen und Rätsel, die er seiner Nachwelt mit auf den Weg gab.

Die nächsten Vorträge in dieser Reihe

  • 6. Dezember 2005: Experimentieren mit den kältesten Objekten des Universums - von Einsteins Traum zur Realität, Prof. Dr. Immanuel Bloch, Leibniz-Preisträger 2005
  • 10. Januar 2006: Die Quantennatur des Lichtes und der Photoelektrische Effekt, Prof. Dr. Gerhard Schönhense
  • 17. Januar 2006: Einsteins deterministisches Weltbild und die Leugnung der Willensfreiheit, Dr. phil. Bettina Walde
  • 7. Februar 2006: Chemie mit dem Computer: moderne Anwendung der Quantenphysik in der Chemie, Prof. Dr. Jürgen Gauß, Leibniz-Preisträger 2005

Veranstaltungsort und -zeit: Rathaus, Ratssaal, jeweils 20.00 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.