Festsymposium zu Ehren des Mainzer Experimentalphysikers Ernst Wilhelm Otten

International hoch angesehener Wissenschaftler feierte am 30. August 2014 seinen 80. Geburtstag – Festvortrag von Nobelpreisträger Claude Cohen-Tannoudji

28.10.2014

Mit einem Festsymposium am 28. Oktober 2014 feiern die die physikalischen Institute der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), das Max-Planck-Institut für Chemie und das Max-Planck-Institut für Polymerforschung den 80. Geburtstag von Univ.-Prof. em. Dr. Dr. h.c. Ernst W. Otten und ehren damit eine außergewöhnliche Persönlichkeit und sein vielseitiges wissenschaftliches Werk. Ernst Wilhelm Otten war 30 Jahre als Professor für Experimentalphysik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz tätig und hat in dieser Zeit wegweisende Forschungsarbeiten vorgelegt, die international hohe Anerkennung erzielt haben.

Ernst Wilhelm Otten, geboren am 30. August 1934 in Köln, hat zunächst in Bonn und anschließend in Heidelberg Physik studiert. An der Universität Heidelberg lernte er moderne Techniken der Präzisionsspektroskopie und ihre Anwendung kennen, was wichtige Erkenntnisse über die Struktur von Atomkernen lieferte. Nach der Promotion 1962 nutzte er die Methode des optischen Pumpens für die Untersuchung instabiler Kerne. Es folgten die Habilitation 1966, die bereits Beiträge zu dem heutigen Gebiet der Quantenoptik leistete, und anschließend Tätigkeiten am europäischen Forschungszentrum CERN. 1972 erhielt er den Ruf auf eine Professur für Experimentalphysik an der JGU, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2002 tätig war.

In seinen späteren Arbeiten befasste sich Otten mit der Bestimmung der Masse des Neutrinos, einer wichtigen, grundlegenden Frage der Physik. Die Bestimmung eines neuen Grenzwerts für die Neutrinomasse 1999 stellte einen wichtigen Meilenstein auf diesem Gebiet dar. Die Arbeiten schufen die Grundlage für das gewaltige KATRIN-Experiment ein, das derzeit in Karlsruhe aufgebaut wird.

In einer fächerübergreifenden Zusammenarbeit mit Physikern und Medizinern ist es gelungen, die Kernspintomografie mithilfe von polarisiertem Helium-3 zur Durchleuchtung der Lunge nutzbar zu machen. Hierfür wurde Otten 1998 zusammen mit dem Mainzer Experimentalphysiker Univ.-Prof. Dr. Werner Heil, dem Nuklearmediziner Univ.-Prof. Dr. Manfred Thelen und Prof. Dr. Michèle Leduc von der ENS Paris mit dem hoch dotierten Körber-Preis ausgezeichnet. Otten und Heil waren für ihr neuartiges Verfahren zur Lungendiagnostik außerdem im Jahr 2000 für den Deutschen Zukunftspreis nominiert.

Ernst Otten wurde 1987 mit dem Gentner-Kastler-Preis und 2004 mit dem Markow-Preis der Russischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet. 2005 erhielt er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland für seine wegweisenden wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich der Physik. Er ist seit 1985 Ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, seit 1989 Mitglied der Académie des Sciences, Paris, und seit 1999 der Academia Europaea. Im Jahr 2003 erhielt Otten die Ehrendoktorwürde der Université Pierre et Marie Curie in Paris.

Zur Ehrung von Ernst Otten und seiner wissenschaftlichen Arbeit werden am Dienstag, 28. Oktober 2014, bei dem Festsymposium „An Expedition to Terra Incognita in Atomic, Nuclear and Particle Physics“ zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland in Mainz erwartet. Höhepunkt der Veranstaltung ist ein Festvortrag von Prof. Dr. Claude Cohen-Tannoudji, Nobelpreisträger für Physik des Jahres 1997, zum Thema „Optical Polarization – from Optical Pumping to Quantum Gases“.

Das Symposium findet ab 14:15 Uhr im Hermann-Staudinger-Hörsaal des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung, Ackermannweg 10, 55128 Mainz, statt. Die Veranstaltung wird finanziell unterstützt von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, dem Exzellenzcluster „Precision Physics, Fundamental Interactions and Structure of Matter“ (PRISMA), der Helmholtz-Allianz für Astroteilchenphysik Karlsruhe, der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.